Die UNESCO Auszeichnung zur “Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften”

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wurde heute am 11.Mai 2017 offiziell überreicht. Ob es sich hier um eine Realsatire oder um eine misslungene Marketing Kampagne handelt, konnte genoleaks nicht ermitteln. Das Thema ist brisant. Speziell die im deutschen genossenschaftlichen Verbandswesen vorgefundene genossenschaftiche Praxis hat mit der Genossenschaftsidee recht wenig gemeinsam.  Wir haben ein Genossenschaftsgesetz  auf dessen Basis sich die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft entwickelt hat.   Es ist höchste Zeit das Genossenschaftsgesetz gründlich zu reformieren und an europäische Standards anzupassen oder die missbräuchliche Nutzung des Rechtsmantels zu Lasten der Mitglieder ist zu unterbinden. Unser heute  dreistufiges Verbandswesen  versteht sich als Selbstverwaltungsorganisation. Die Genossenschaftsmitglieder finanzieren ihre eigenen Prüfungsverbände, Dachverbände und Spitzenverbände. Der Staat erteile diesen 1934 ein Prüfung- und Wertschöpfungsmonopol.  Die Interessen der Genossenschaftsmitglieder blieben dabei auf der Strecke.

Mensch Raiffeisen. Was ist aus der Genossenschaftsidee geworden?  Womit fangen wir an? Die Interessen-vertretung der Genossenschaftsmitglieder igenos e.V. fordert echte genossenschaftliche Mitbestimmung durch die Mitglieder.  Standardisierte  Mustersatzungen, die sich gegen die Mitgliederinteressen richten, lehnt igenos ab.  Der Genossenschaftsvorstand sollte  freiwillig  auch Blankovollmachten verzichten und diese nicht Einsetzen um “seine Interessen” gegen die Mitglieder durchzusetzen. Neue Auswahlverfahren und Mindestqualifikation für gewählte Vertreter und Aufsichtsräte sind dringend notwendig. Die freiwillige  Offenlegung der Vorstandsgehälter,  der Finanzströme und des Genossenschaftsvermögens sollten selbstverständlich sein. Ein Verzicht auf weitere Mega Fusionen – und eine Rückbesinnung auf die Region wären  richtige Zeichen. Es ist auch höchste Zeit die  Abschaffung des genossenschaftlichen Führerprinzips, der Zwangsmitgliedschaft in Prüfungsverbänden und des Prüfungsmonopols in die Wege zu leiten.  Es gibt viel zu tun. Es wird Widerstand geben. Trotzdem sollten wir die Reformation des Genossenschaftswesens gemeinsam angehen. Dann hat die UNESCO Auszeichnung auch etwas bewirkt und wir haben einen Grund gemeinsam zu feiern.
Heute überreichte Staatsministerin Maria Böhmer in Berlin die UNESCO-Urkunde zur Auszeichnung der „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ als Immaterielles Kulturerbe an die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e.V. und die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e.V. Die beiden Gesellschaften waren maßgeblich an der Nominierung Deutschlands für die Repräsentative Liste der UNESCO beteiligt.
Staatsministerin Böhmer sagte zu diesem Anlass: „Ich gratuliere allen Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftlern in Deutschland sehr herzlich zur Auszeichnung ihres Wirkens als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Die Kulturform der Genossenschaften verbindet uns mit Menschen auf der ganzen Welt. Rund 800 Millionen Menschen in über 100 Ländern sind genossenschaftlich organisiert und setzen sich so für die nachhaltige Entwicklung ihrer Regionen ein. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass jetzt die Genossenschaften in vielen Ländern beflügelt werden, sich der ersten Eintragung Deutschlands in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes anschließen zu wollen.“
Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission erklärte: „Die Genossenschaftsidee und -praxis prägen Deutschland. Genossenschaften bringen Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und gleichzeitig gemeinsamen Interessen zur Erreichung gemeinsamer Ziele zusammen. Das hat eine starke kulturelle Bedeutung. Ich gratuliere allen Genossenschaften in Deutschland ganz herzlich zur Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Sie zeigen, wie wichtig unser kulturelles Erbe für die gesellschaftliche Entwicklung ist.”
Dr. Axel Viehweger, Vorsitzender der Deutschen Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft e.V. betonte: „In vielen Bildungseinrichtungen wird heute kaum Wissen über die Genossenschaft vermittelt. Daran wollen wir arbeiten. Die Genossenschaft muss stärker in der schulischen und universitären Ausbildung verankert werden. Die UNESCO-Anerkennung wird uns dabei helfen. Helfen wird sie uns auch in dem wichtigen Bestreben, bewährte genossenschaftliche Prüfungsprinzipien fortzuführen.“
Werner Böhnke, Vorsitzender der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e.V. ergänzte: „Für uns ist die UNESCO-Auszeichnung eine wunderbare Hinführung auf das große Jubiläumsjahr 2018. In diesem Jahr wäre Raiffeisen 200 Jahre alt geworden. Auch dieses Ereignis wird für uns Anlass sein, die Bedeutung der Genossenschaftsidee für Gegenwart und Zukunft herauszustellen. Im Übrigen ist die Anerkennung durch die UNESCO eine Würdigung all derer, die sich weltweit in Genossenschaften engagieren.“
Genossenschaften sind eine allen offen stehende Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation, ein Modell der kooperativen Selbsthilfe und Selbstverantwortung. Weltweit wirken etwa 800 Millionen Genossenschaftsmitglieder in über 100 Ländern, allein 21 Millionen davon in Deutschland. Die hohe Anzahl von Genossenschaftsmitgliedern in Deutschland und die rechtliche Absicherung ihrer Grundsätze durch ein Genossenschaftsgesetz sind im internationalen Vergleich Besonderheiten. Am 30. November 2016 wurde die Genossenschaftsidee und -praxis in die internationale Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

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